Mittwoch, 21. Februar 2018
BauPhysikPlus online 1 | 2014 Drucken E-Mail
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BauPhysikPlus Nummer 1/2014

Der Mensch und das Fenster - oder:
warum das Fenster warm wurde


Früher gab es oft zur Winterzeit einen kostenlosen Weihnachtsschmuck an den Fenstern, der heute im Sinne der Energieeinsparung nicht mehr erwünscht ist:

Eisblumen!



Fenster sind seit ewigen Zeiten fester Bestandteil von Gebäuden, lassen Wärme und Licht herein und hinaus, ermöglichen Ein-, Aus- und Durchblicke und wurden im Laufe der Zeit aus bauphysikalischer Sicht immer besser.

Der Wärmeschutz von Fenstern wird durch den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizienten) beschrieben.
Es gilt: Je kleiner der U-Wert, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung.

Aber der U-Wert eines Fensters ist oftmals nur die halbe Wahrheit!

Gerade in der Werbung wird bei den U-Werten von Fenstern oftmals „geschummelt“; es werden Werte zwischen 0,4-0,5 W/m2K angegeben. Hierbei handelt es sich jedoch ausschließlich um die U-Werte der Verglasung. Der U-Wert muss jedoch für das Gesamtfenster angegeben werden und wird aus der Rahmenkonstruktion und der Verglasung berechnet.

Daher sind folgende U-Werte für ein Fenster maßgeblich:

Ug für die Verglasung: Die besten Dreifach-Verglasungen weisen Werte zwischen 0,4-0,5 W/m2K auf.

Uf für den Rahmen: Sehr gute Rahmen erreichen Werte von 0,8-0,9 W/m2K.

Uw gibt Werte für das komplette Fenster an, welche nachfolgend beschrieben werden.

Bis zum Jahr 1976 wurden einfachverglaste Fenster eingebaut mit U-Werten zwischen 6,3 – 5,5 W/m2K. An sehr kalten Tagen lagen die Oberflächentemperaturen unter 0°C. Eisblumen konnten entstehen.

Im Jahr 1977 kam die 1. Wärmeschutzverordnung und im Jahr 1982 die 2. Wärmeschutzverordnung und die Fenster wurden doppelt verglast mit U-Werten zwischen 4,5 – 3,0 W/m2K eingebaut. Bauordnungsrechtlich verbindliche Anforderungen an die Fenster wurden jedoch nicht gestellt.

Ein Großteil der Fenster wurde am Anfang der 90er Jahre mit einem U-Wert von 2,8 W/m2K eingebaut. Die Innen-Oberflächentemperaturen dieser Fenster liegen an sehr kalten Tagen bei ca. 8°C.

Die Zeit der Eisblumen war damit vorbei. Es bildete sich „nur noch“ Kondensat an der inneren Scheibe.


Bis zur 3. Wärmeschutzverordnung im Jahr 1994 wurden Anforderungen an Fenster gestellt und der U-Wert bei Neubauten verbesserte sich auf 1,8 W/m2K. Die Innenoberflächentemperaturen erhöhten sich bei sehr tiefen Außentemperaturen auf 10-12°C und Kondensatbildung trat nur noch im Randbereich der Fenster auf. 

Aktuell liegen Zweifachverglasungen bei 1,1 -1,3 W/m2K und Dreifachverglasungen bei 0,6 – 0,9 W/m2K. Die Innenoberflächen liegen bei hochwertigsten Verglasungen auch bei strengem Frost bei ca. 17°C.

Jetzt kann Kondensat auf der Außenscheibe entstehen!


Ist das ein Mangel?

Damit Kondensat auftritt müssen zwei Kriterien erfüllt sein. Die Oberfläche muss kälter sein als die umgebende Außenluft, und diese Luft muss genügend Feuchtigkeit enthalten.

Trifft mit Feuchtigkeit gesättigte Außenluft auf die kalte Außenscheibenoberfläche, welche durch den guten Wärmeschutz nicht mehr durch abfließende Wärme von innen erwärmt wird, kühlt die Luft ab und gibt die Feuchtigkeit an der Außenscheibe ab. Die Scheibe beschlägt.

Somit ist das Beschlagen der Scheibe auf der Außenseite ein Zeichen für einen hervorragenden Wärmeschutz und kein Mangel!

Nachfolgend eine Zusammenstellung der aktuellen Verglasungswerte bei Neubauten.

U-Wert des Gesamtfensters

Zweifach-Verglasung: 1,1 – 1,3 W/m2K

Dreifach-Verglasungen: 0,7 – 0,9 W/m2K

Im Vergleich hierzu liegt der Wärmedurchgangskoeffizient einer gut gedämmten Außenwand zwischen 0,10-0,20 W/m2K.



Das Team von SCHWINN Ingenieure berät Sie gerne - wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Bildnachweis: fotolia und S.Scherer

Dipl.-Ing.
Oliver Schwinn
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